Prämien sparen ab 50 – Der Seniorenratgeber zur Krankenkasse
Warum Prämien im Alter besonders belasten
Mit der Pensionierung sinkt das Einkommen für die meisten Schweizerinnen und Schweizer spürbar – die Krankenkassenprämien aber steigen weiter. Seit 2018 sind die Durchschnittsprämien um rund 35 % gestiegen. Für Personen ab 50 wird die monatliche Prämie daher oft zum zweitgrössten Ausgabeposten nach dem Wohnen.
Im Gegensatz zu jüngeren Versicherten wechseln Senioren ihre Krankenkasse deutlich seltener. Studien zeigen, dass nur etwa 6 % der über 55-Jährigen jährlich den Anbieter wechseln, gegenüber 14 % bei den 26- bis 40-Jährigen. Dabei lohnt sich der Wechsel gerade für ältere Personen enorm, da die absolute Prämien-Differenz zwischen dem günstigsten und teuersten Anbieter mit dem Alter tendenziell grösser wird.
Die psychologische Hürde
Viele Senioren scheuen den Wechsel, weil sie seit Jahrzehnten beim gleichen Versicherer sind und eine emotionale Bindung aufgebaut haben. Doch in der Grundversicherung erbringen alle Kassen die gleichen Leistungen. Langjährige Treue wird von keinem Versicherer mit tieferen Prämien belohnt.
Franchise richtig wählen ab 50
Die Wahl der Franchise ist für Senioren besonders entscheidend. Wer regelmässig Medikamente bezieht oder chronisch krank ist, fährt mit der tiefsten Franchise von CHF 300 am besten. Die höheren Prämien werden durch die tiefere Eigenbeteiligung mehr als ausgeglichen.
| Franchise | Jahresprämie | Eigenbehalt (max.) | Gesamtkosten (max.) |
|---|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 5'628 | CHF 1'000 | CHF 6'628 |
| CHF 500 | CHF 5'364 | CHF 1'200 | CHF 6'564 |
| CHF 1'000 | CHF 4'932 | CHF 1'700 | CHF 6'632 |
| CHF 1'500 | CHF 4'644 | CHF 2'200 | CHF 6'844 |
| CHF 2'500 | CHF 4'128 | CHF 3'200 | CHF 7'328 |
Eigenbehalt = Franchise + max. Selbstbehalt (10 % bis CHF 700). Berechnungsbeispiel, effektive Beträge variieren je nach Versicherer.
Die goldene Regel
Wenn Ihre jährlichen Gesundheitskosten regelmässig über CHF 1'500 liegen, ist die Franchise CHF 300 fast immer die wirtschaftlichste Wahl. Liegen Ihre Kosten konstant unter CHF 300, kann sich eine höhere Franchise lohnen – allerdings mit dem Risiko, im Krankheitsfall höhere Eigenbeteiligungen tragen zu müssen.
Hausarzt- und HMO-Modell: Auch für Senioren attraktiv
Viele Senioren gehen ohnehin zuerst zu ihrem Hausarzt, bevor sie einen Spezialisten aufsuchen. Genau dieses Verhalten wird im Hausarztmodell belohnt: Sie verpflichten sich, bei gesundheitlichen Fragen immer zuerst Ihren Hausarzt zu konsultieren, und erhalten dafür Prämienrabatte von 10 bis 15 %.
«Ich bin seit drei Jahren im Hausarztmodell und gehe sowieso zuerst zu meiner Ärztin. Warum sollte ich dafür mehr bezahlen? Die Ersparnis von CHF 67 im Monat nehme ich gerne mit.»
– Renate Weber, 63, Luzern
HMO für aktive Senioren
Das HMO-Modell bietet noch höhere Rabatte – bis zu 20 %. Sie werden in einem Gesundheitszentrum behandelt, wo Hausärzte und Spezialisten unter einem Dach arbeiten. Für Senioren in städtischen Gebieten mit guter HMO-Abdeckung kann das eine ausgezeichnete Option sein.
Telmed: Ideal für digital affine Senioren
Beim Telmed-Modell kontaktieren Sie bei gesundheitlichen Fragen zunächst eine medizinische Hotline. Die Berater triagieren Ihr Anliegen und leiten Sie bei Bedarf an einen Arzt weiter. Der Vorteil: Die telefonische Beratung ist rund um die Uhr verfügbar. Mehr Details finden Sie im Modellvergleich.
Zusatzversicherung im Alter – behalten oder kündigen?
Spitalzusatzversicherung überprüfen
Viele Senioren halten an einer Halbprivat- oder Privatversicherung fest, die sie vor Jahrzehnten abgeschlossen haben. Die Prämien für eine Halbprivat-Versicherung können ab 65 Jahren auf CHF 350 bis CHF 500 monatlich steigen. Überlegen Sie ehrlich, ob Ihnen die freie Arztwahl im Spital und das Einzelzimmer jährlich CHF 4'200 bis CHF 6'000 wert sind.
Was Sie beachten müssen
Achtung: Haben Sie die Zusatzversicherung einmal gekündigt, kommen Sie im Alter in der Regel nicht mehr hinein. Neuabschlüsse werden ab 55 zunehmend schwierig, ab 65 praktisch unmöglich. Kündigen Sie daher nur, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie die Leistungen nicht mehr benötigen.
Komplementärmedizin als Alternative
Statt einer teuren Spitalzusatzversicherung lohnt sich für viele Senioren eine ambulante Zusatzversicherung für Komplementärmedizin. Diese kostet nur CHF 25 bis CHF 45 monatlich und deckt Behandlungen wie Akupunktur, Physiotherapie-Erweiterungen oder Homöopathie ab.
Prämienverbilligung für AHV-Rentner
Auch Rentnerinnen und Rentner haben Anspruch auf Prämienverbilligung. Massgebend ist das steuerbare Einkommen und Vermögen. In den meisten Kantonen liegt die Einkommensgrenze für Alleinstehende zwischen CHF 35'000 und CHF 45'000 pro Jahr.
Ergänzungsleistungen prüfen
Reichen AHV und Pensionskasse nicht für den Lebensunterhalt, können Ergänzungsleistungen (EL) beantragt werden. EL-Bezüger haben in der Regel automatisch Anspruch auf die volle Prämienverbilligung. Zusätzlich werden Selbstbehalte und Franchisen bis zu einem bestimmten Betrag übernommen.
Kantonale Unterschiede
Die Prämienverbilligung fällt je nach Kanton sehr unterschiedlich aus. Im Kanton Genf erhalten Rentner mit einem Einkommen bis CHF 42'000 eine Verbilligung von bis zu CHF 310 pro Monat. Im Kanton Schwyz liegt die Obergrenze bei CHF 195 monatlich. Ein Kantonsvergleich kann sich daher besonders lohnen.
Häufig gestellte Fragen
Kann mir ein Versicherer den Wechsel der Grundversicherung im Alter verweigern?
Nein. Die Aufnahmepflicht in der Grundversicherung gilt uneingeschränkt, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Sie können auch mit 80 Jahren noch zu einem günstigeren Anbieter wechseln.
Werden langjährige Kunden von der Krankenkasse belohnt?
In der Grundversicherung gibt es keine Treuerabatte. Alle Versicherten im gleichen Kanton, mit gleichem Modell und gleicher Franchise zahlen die gleiche Prämie. Langjährige Treue hat also keinen finanziellen Vorteil.
Soll ich meine Zusatzversicherung im Alter kündigen?
Das hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Wenn die Prämien Ihr Budget stark belasten und Sie die Zusatzleistungen selten nutzen, kann eine Kündigung sinnvoll sein. Bedenken Sie aber, dass ein Neuabschluss im Alter kaum noch möglich ist. Lassen Sie sich im Zweifelsfall beraten.
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